Logo der BAG Mehr Sicherheit für Kinder e. V.

Aktuelle Zeit: 23.03.2019, 16:18


Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 3 Beiträge ] 
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: Daten und Fakten - Kinderunfälle
BeitragVerfasst: 06.06.2016, 11:25 
Expertin
Expertin

Registriert: 10.01.2005, 13:53
Beiträge: 4465
Unfälle - Gefahr für die Gesundheit von Kindern

In Deutschland leben 10,7 Mio. Kinder. 1.7 Mio. von ihnen verletzen sich jedes Jahr bei einem Unfall so schwer, dass sie einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen müssen. Das bedeutet hoch gerechnet, dass jedes 7. Kind in Deutschland jährlich eine schwere Unfallverletzung erleidet oder alle 20 Sekunden ein Kind wegen einer Unfallverletzung einen Arzt aufsuchen muss. Wenn man davon ausgeht, dass ein Kind 9-10 Stunden pro Tag schläft, erhält man ein Gefühl für die hohe Relevanz von Unfällen.


Für Kinder ab einem Jahr sind Unfallverletzungen die häufigste Todesursache und die Haupt- sache für eine Behinderung. Im Jahr 2014 kamen 188 Kinder (1,8 je 100.000) durch einen Unfall ums Leben. Gegenüber dem Vorjahr sind das 0,1 je 100.000 Kinder mehr.

Von dieser Entwicklung betroffen sind vor allem Kinder im Alter von 1 bis unter 5 Jahren.
Während Jungen und Mädchen unter 15 Jahren in der Bevölkerung fast gleich verteilt sind (51% zu 49 %), gibt es bei den Unfalldaten große Unterschiede: In fast allen Bereichen sind Jungen 2014 häufiger betroffen als Mädchen. Mit 121 tödlichen Unfällen sind sie fast doppelt so stark gefährdet wie Mädchen (61 Unfälle). Ausgenommen sind hier nur Säuglinge: Hier zeigen Mädchen eine höhere Unfallquote (3,5/100.000 Mädchen zu 2,8/100.000 Jungen).

Bei den Krankenhausfällen lässt sich seit Jahren eine Abnahme der Fälle bei den Schulkindern feststellen. Dieser Trend ist aber für die Gruppe der Säuglinge und Kleinkinder gegenläufig. Hier ist von 2002 bis 2011 eine Zunahme um 32% (Säuglinge) bzw. 15% bei Kleinkinder zu verzeichnen. Die häufigste Diagnose für Krankenhausbehandlungen bei Säuglingen ist eine Gehirnverletzung.
Unfälle sind vermeidbar!


Leider werden Unfälle häufig als Pech oder Schicksal abgetan, sodass zu wenig für die Prävention getan wird. 60 % aller Unfälle könnten durch entsprechende Präventionsmaßnahmen verhindert werden!



Quellen:
Ellsässer, G et al.: Unfallprävention bei kleinen Kindern – ein Thema für Frühe Hilfen? In: NZFH (Hrsg.): Datenreport Frühe Hilfen, 2013; Vortrag bei Armut & Gesundheit 2014
Henter, A: Eigene Berechnungen auf der Basis des Datenfiles des Statischen Bundesamtes 2016

_________________
FINDEN SIE MEHR UNTER: https://www.kindersicherheit.de
BESUCHEN SIE UNS BEI FACEBOOK: https://www.facebook.com/kindersicher
TWITTERN SIE MIT UNS: https://twitter.com/kindersicher

Lis Dammann
FORUM KINDERSICHERHEIT
forum@kindersicherheit.de


Nach oben
Offline   
 
 Betreff des Beitrags: Daten und Fakten - Kinderunfälle: Ertrinken
BeitragVerfasst: 09.06.2016, 10:25 
Expertin
Expertin

Registriert: 10.01.2005, 13:53
Beiträge: 4465
Ertrinken zählt bei Kindern zu den häufigsten tödlichen Unfällen. Je nach Alter steht diese Unfallart an zweiter bzw. dritter Stelle der Unfallsterblichkeit bei Kindern.


Kleine Kinder – eine Risikogruppe


Für kleine Kinder ist die Gefahr zu ertrinken besonders hoch. Kinder im Alter von 1-4 Jahren haben eine höhere Sterblichkeitsrate als 10-14Jährige. Die Todesfälle durch Ertrinken sind in den letzten 15 Jahren gesunken. Eine Ausnahme zu diesem Trend bildet nach Daten der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) der Sommer 2013, einem ungewöhnlich heißen Sommer mit entsprechend vielen Badeunfällen.


Ertrinken und andere Todesfälle

Die amtliche Todesursachenstatistik 2013 des Statistischen Bundesamtes liegt noch nicht vor, weshalb sich die im Folgenden dargestellten Zahlen zur Gesamtzahl der tödlichen Unfälle auf das Jahr 2012 beziehen. Die Rolle des Ertrinkens als eine der häufigsten tödlichen Unfallarten wird aus der Tabelle ersichtlich. Ertrinken ist in allen Altersstufen eine große Gefahr. Die Umstände, unter denen Kinder ertrinken, sind jedoch nach Alter und Entwicklungsstand sehr verschieden.


Tödliche Unfälle von Kindern bis 14 Jahre 2012 - absolut und je 100 000 Kinder

Um differenzierte Aussagen zu den Unfallhergängen treffen zu können, ist die Betrachtung einer größeren Fallzahl notwendig. Dies erfolgte in einer Sonderauswertung des Statistischen Bundesamtes zum Verletzungsgeschehen bei Kindern für die Jahre 1998 bis 2011. Die Datenerfassung basiert seit 1998 auf dem Internationalen Klassifikationssystem ICD 10 - seither sind vergleichende Analysen möglich.

Säuglinge ertrinken meistens zu Hause. Die Daten von 1998 bis 2011 zeigen, dass in diesem Zeitraum 36 Säuglinge ertrunken sind, davon 27 - das sind 75% - zu Hause. Allein 19 dieser Fälle geschahen in der Badewanne.

1-4Jährige dagegen ertrinken am häufigsten beim Spielen am Wasser. Von den 483 Kindern dieses Alters, die von 1998-2011 ertrunken sind, passierten zwei Drittel nicht zu Hause, sondern an natürlichen Gewässern. Von den 54 Kindern, die in diesem Alter in einem Schwimmbecken ertrunken sind, geschahen die Unfälle bei 36 Kindern im Privatbereich und nicht in öffentlichen Schwimmbädern.
Kinder und Jugendliche von 5-14 Jahren verunglücken zumeist beim Baden gehen. 92 % der Ertrinkungsunfälle geschehen außerhalb des häuslichen Bereichs – aber nicht primär im Schwimmbad, sondern in Seen, Flüssen oder im Meer.


Beinahe-Ertrinken hat schwerste Folgen

Auch wenn ein Kind nur "beinahe" ertrinkt, kann es innerhalb kürzester Zeit durch den Sauerstoffmangel bleibende schwerste Behinderungen erleiden. Experten gehen davon aus, dass auf jeden tödlichen Ertrinkungsunfall mindestens 5-10mal so viele schwer verletzte Kinder kommen.

Eine Dissertation (Thüner 2004) zu stationär behandelten Ertrinkungsunfällen bei 734 Kindern und Jugendlichen konnte zeigen, dass (Beinahe-)Ertrinkungsunfälle in jeder denkbaren Wasserstelle stattfanden, selbst bei einer Wassertiefe von 3 cm.

Insgesamt führte ein Ertrinkungsunfall in 11,5% der Fälle zum Tod, in 4% zum apallischen Syndrom (Wachkoma) und in 5,5% zu neurologischen Defiziten. 79,1% der Kinder überlebten den Beinahe-Ertrinkungsunfall ohne bleibende gesundheitliche Schädigung.

40,2% der Opfer waren zum Zeitpunkt des Unfalls zwischen ein und drei Jahre alt. Die Kleinen hatten besonders schwere neurologische Defizite. Bei 56,2% der untersuchten Unfälle spielte mangelnde Beaufsichtigung der Kinder eine Rolle, bei 23,3% war ein unbeabsichtigter Sturz der Grund des Unfalls. Jungen sind deutlich überrepräsentiert.

Eine weitere Dissertation (Bichlmayer 2008), die 76 Ertrinkungsfälle in bayrischen Kliniken untersuchte, zeigte, dass auch die Unfallorte Einfluss auf die Schwere der Schädigung hatten: Besonders gravierende Folgen hat- ten die Ertrinkungsunfälle in stehenden offenen Gewässern.

Etliche der Unfälle ereigneten sich trotz der Verwendung von Schwimmhilfen oder Schutzvorkehrungen an Swimmingpools oder Teichen.


Studienergebnisse zur Schwimmfähigkeit

Nach Daten des DLRG-Barometers aus einer repräsentativen forsa-Umfrage 2010 haben nur 50% aller 10Jährigen ein Jugendschwimmabzeichen erworben, können also als sichere Schwimmer bezeichnet werden.

Die Frage, wie „sicher schwimmen“ definiert und übe prüft wird, begründet die unterschiedlichen Raten, die verschiedene Studien ermittelt haben. Nach ersten veröffentlichten Ergebnissen aus dem Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) des Robert-Koch Instituts (2009-2012) geben 98% der befragten 11-17jährigen an, dass sie schwimmen können. Diese ausschließlich auf der Selbsteinschätzung der Befragten basierende Quote ist im Vergleich zu anderen Studien sehr hoch.

Bäderschließungen und der Trend zum (Aus-) Bau von Erlebnisbädern mit Verlust von Lehrschwimmbecken erschweren vielen Schulen die Möglichkeit, den im Lehrplan vorgeschriebenen Schwimmunterricht zu erteilen.


Schwimmen lernen – wie und wo

Nach Daten der NRW-Praxisstudie 2006 lernen 36% der Kinder das Schwimmen in der Familie, 25% in einem Kurs und 14% in der Schule. Die Rahmenbedingungen beeinflussen die Qualität und Quantität des Schwimmen Lernens.
32,6% der untersuchten Grundschulen müssen eine Entfernung von ca. 3 km bis zur nächsten nutzbaren Schwimmhalle zurücklegen und 37,1% sogar von 10 km oder mehr (SPRINT Studie).


Fehleinschätzungen bei Eltern

Der AXA Kindersicherheitsreport 2014, eine repräsentativen Befragung von etwa 1.000 Eltern, ergab, dass bei vielen Eltern Wissenslücken zur Sicherheit im und am Wasser bestehen. 60% der Eltern glauben, dass man die Not ertrinkender Kinder eindeutig erkennt, was nicht der Realität entspricht. 13% der Befragten sind der Meinung, ein Kind unter drei Jahren kann kurzzeitig alleine in der Badewanne gelassen werden. Mehr als die Hälfte der Befragten geben an, vorhandene Wasserflächen im und am Haus, wie Teich, Wassertonnen oder Pool, nicht vollständig abzusichern.


Die BAG dankt den Mitgliedern des Fachbeirats Epidemiologie und besonders Annelie Henter und Dr. Heidrun Kahl für die Grundlagenarbeit zu diesem Datenblatt.
Quellen:

AXA (Hrsg.) Kindersicherheitsreport 2014, Köln 2014
Bichlmayer R: Ertrinkungsunfälle bei Kindern und Jugendlichen. Dissertation
München, 2008
DLRG Verbandszeitschrift Lebensretter 4 2013, S. 6
DSB-Sprint-Studie, Verlag Meyer & Meyer, Aachen 2006;
Ellsäßer G: Unfälle, Gewalt, Selbstverletzungen bei Kindern und Jugendlichen
2013, Ergebnisse der amtlichen Statistik zum Verletzungsgeschehen
2011.Wiesbaden 2014
Kurz D & Fritz T: Die Schwimmfähigkeit der Elfjährigen. Ergebnisse einer
empirischen Studie in Nordrhein-Westfalen. Schule NRW. Amtsblatt des
Ministeriums für Schule und Weiterbildung. 2007;2007(04/07):188–190 Robert-Koch Institut: KiGGS - Die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in
Deutschland 2013
Statistisches Bundesamt: Todesursachenstatistik 2012, http://www.gbe-bund.de Thüner C: Outcome von Ertrinkungsunfällen in Abhängigkeit von der Ursache
und der Erstversorgung in der BRD. Dissertation Würzburg 2004

_________________
FINDEN SIE MEHR UNTER: https://www.kindersicherheit.de
BESUCHEN SIE UNS BEI FACEBOOK: https://www.facebook.com/kindersicher
TWITTERN SIE MIT UNS: https://twitter.com/kindersicher

Lis Dammann
FORUM KINDERSICHERHEIT
forum@kindersicherheit.de


Nach oben
Offline   
 
 Betreff des Beitrags: Daten und Fakten - Kinderunfälle - Spielplatz
BeitragVerfasst: 13.06.2016, 12:25 
Expertin
Expertin

Registriert: 10.01.2005, 13:53
Beiträge: 4465
Spielplätze sind für die Entwicklung von Kindern wichtige Orte. Hier können sie ausgelassen spielen, motorische Erfahrungen sammeln und ihre Fähigkeiten austesten. Vor allem in städtischen Gebieten sind Spielplätze oftmals der Ort, an dem Kinder ungehindert spielen und toben können.


Daten zu Spielplatzunfällen


Über die Unfälle auf Spielplätzen gibt es wenige Daten, weil in Deutschland keine kontinuierliche Erhebung der Unfälle mit Angaben zum genauen Unfallort und Unfallhergang erfolgt. Eine Untersuchung aus Österreich hat über einen Zeitraum von vier Jahren insgesamt 374 Spielplatzunfälle näher untersucht:

Die häufigsten Unfallmechanismen bei Spielplatzunfällen sind dabei der "Sturz hinab" (57 %), der "Sturz auf gleicher Ebene" (15 %) die "Kollision" (12 %) sowie missglückte Sprünge (5 %). Bei diesen Unfällen waren vor allem Schaukeln, Rutschen und Klettergerüste beteiligt.

Die Auswertung von Spielplatzunfällen in Betreuungseinrichtungen bei Kindern im Alter von 0- 5 Jahren zeigt ein ähnliches Bild. Der Großteil der Unfälle auf dem Spielplatz geschieht im Zusammenhang mit Klettergerüsten, Rutschen und Schaukeln. Aber auch ohne direkten Zusammenhang mit einem Gerät passiert ein Großteil der Spielplatzunfälle.


Spielplatzunfälle bei Kleinkindern (2009-2014)
(10.6% aller Kleinkindunfälle)

Die häufigsten Verletzungen sind Prellungen (34 %), Hautwunden (24 %), Frakturen der Extremitäten (24,6 %), Verstauchungen (10,7 %) und Gehirnerschütterungen (6,7 %).


Wenn Kinder toben, laufen, springen, hüpfen, klettern und balancieren, dann stolpern und stürzen sie auch. Diese sogenannten Bagatellunfälle sind zwar nicht angenehm, weil sie Schmerzen verursachen, aber sie sind akzeptabel und für die Entwicklung und den Kompetenzerwerb von Kindern wichtig. Die Kinder lernen daraus – machen ihre Erfahrungen mit Gegenständen, Untergründen, Geschwindigkeit usw. und können sie dadurch nach und nach besser einschätzen. Es gibt aber auch Unfälle, die unbedingt verhindert werden müssen. Das sind Unfälle mit schwerwiegenden Folgen, aus großer Höhe, auf harten Untergrund oder aufgrund von fehlerhaften oder defekten Spielgeräten.


Der richtige Spielplatz

Eltern und Betreuungspersonen sollten darauf achten, dass der Spielplatz entsprechend des Alters und der Entwicklung der Kinder ausgewählt wird. Sie sollten ihren Kindern viel Zeit zum Üben und Auspro- bieren geben. So können sie Risikokompetenz, also die Selbsteinschätzung bei der Bewältigung von riskanten und/oder ungewohnten Situationen üben. Geschützt werden sollten Kinder in jedem Fall vor Gefahren, die für sie nicht vorhersehbaren sind. Dazu zählen defekte Spielgeräte bzw. solche, die nicht den gültigen Sicherheitsanforderungen entsprechen.


Unfälle vermeiden

Kleidung (Kordeln) und Helmriemen, an denen Kinder sich verfangen und hängen bleiben, sind gefährlich (Strangulationsgefahr) und müssen für das unbeschwerte Spielen vorab beseitigt werden.

Weitere Tipps zum bietet unser Flyer „Spielplatzcheck für Eltern“, der unter
www.kindersicherheit.de
bestellt und herunter geladen werden kann.



Quellen: Spitzer, P: Unfallverhütung am Spielplatz - Spielen zwischen Spaß und Gefahr. www.kidsdoc.at/unfallverhuetung_spielplatz_ thema.html (Aufgerufen am 29.04.2016)
DGUV, Vortrag vom 16.03.2016 beim Fachbeirat Epidemiologie der BAG

_________________
FINDEN SIE MEHR UNTER: https://www.kindersicherheit.de
BESUCHEN SIE UNS BEI FACEBOOK: https://www.facebook.com/kindersicher
TWITTERN SIE MIT UNS: https://twitter.com/kindersicher

Lis Dammann
FORUM KINDERSICHERHEIT
forum@kindersicherheit.de


Nach oben
Offline   
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 3 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast


Sie dürfen keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Sie dürfen keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Sie dürfen Ihre Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Sie dürfen Ihre Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Sie dürfen keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
Gehe zu:  
Powered by phpBB © 2000, 2002, 2005, 2007 phpBB Group
Theme created StylerBB.net
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de
SeitenanfangBundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder e. V., Christian-Lassen-Str. 11a, 53117 Bonn, info@kindersicherheit.de